Sonntag, 30. November 2014

Der Adventskranz




Der immergrüne Kranz aus Tannenreisig symbolisiert das endlose, sich in Zyklen jedes Jahr aufs Neue offenbarende Goth*. Es schlummert auf geheimnisvolle Weise in allem, auch in der tiefsten, dunkelsten, kältesten Nacht des Winters. Geschmückt mit Mohnkapseln, Fliegenpilzen, Eicheln und deren Laub, roten Beeren und weißen, lichtbringenden Kerzen ist er ein heidnischer Ritualgegenstand. Ursprünglich war die Anzahl der Lichter am Anfang vier oder mehr, um dann von Woche zu Woche weniger zu werden. So wurde das schwindende Licht der Wintersonne gezeigt. Erst zur Weih(e)nacht, der Heiligen Nacht, der Wende des Lichtes, der Wintersonnenwende, erstrahlt der geschmückte Lichterbaum in voller Pracht. (1)

Foto: pixabay



Es gehört zu den schönen Traditionen, die uns das Herz erwärmen - auch wenn die Formen variieren, nach und nach die Kerzen des Kranzes zu entzünden. Im Hamburger Abendblatt habe ich gefunden, dass der so beliebte Adventskranz noch gar nicht so alt ist.
Erfunden wurde er 1839 im protestantischen Hamburg, die katholischen Gegenden übernahmen ihn knapp 100 Jahre später. Der Vater der protestantischen Diakonie, Johann Hinrich Wichern (1808-1881), war vermutlich der erste, der in Hamburg einen Kronleuchter – nach anderen Quellen ein Wagenrad – zum Adventskranz umfunktionierte: Die verarmten Kinder, denen er in seinem "Rauhen Haus" Heimat und Ausbildung gab, hatten ihn ständig gefragt, wann denn nun endlich Weihnachten sei. Um ihre Frage zu beantworten, aber auch um ihnen das Zählen beizubringen, brachte er auf dem Kronleuchter – oder Rad – so viele Kerzen an, wie es Tage vom ersten Adventssonntag bis zum Heiligen Abend waren.

Seit 1860 etwa wird der Adventskranz mit Tannengrün geschmückt, 1925 übernahm erstmals eine katholische Kirche – in Köln – den Brauch, 1930 wurde der erste Adventskranz in München gesichtet. Der Siegeszug des neuen Brauchtums war nicht mehr aufzuhalten. Nur die Zahl der Kerzen hat sich auf vier reduziert.
Vermutlich ist der Adventskranz auch deshalb heute noch ein Renner, weil er so eine dichte und unmittelbar verständliche Symbolik transportiert: Die Kreisform ohne Anfang und Ende steht für Ewigkeit und Unendlichkeit, im christlichen Denken auch für die Auferstehung und für die Gemeinschaft. Die vier Kerzen auf dem Kranz können als die vier Himmelsrichtungen auf dem Erdkreis gedeutet werden. Das Tannengrün im Winter ist eine Chiffre der Hoffnung: mitten in Eis und Schnee, in Kälte und Dunkel bereitet sich das neue Leben vor. Und natürlich das Licht, das von Sonntag zu Sonntag an Kraft zunimmt: ein sprechendes Bild der Erwartung der Ankunft Christi, dem "Licht der Welt".  (2)

Lichtvolle Adventsgrüße von uns,
herzlichst René & Constanze


* Goth = der allem innewohnende göttliche Funke, das Göttliche selbst. 


Quellenangaben:
(1)    Yoga aktuell Nr. 89
(2)    Hamburger Abendblatt (30.11.2014)
(3)    Bild: Hamburger Abendblatt (30.11.2014)