Mittwoch, 19. November 2014

Vorfreude, schönste Freude!?


Die Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Zum Beispiel: wenn die Woche stressig beginnt, freut man sich auf das kommende freie Wochenende oder beim Abschiednehmen vom 'ach so herrlichen‘ Urlaub hilft der Trost, daheim sofort den nächsten Urlaub zu planen.

Ich kann mich erinnern, dass es in Kindheitstagen oft Anlass zu Vorfreude gab, wobei das mit Sehnsucht erwartete Ereignis immer unglaublich weit weg schien. Geburtstage und Weihnachten gehörten gerade im Hinblick auf die Geschenke zu den sehnsüchtig erwarteten Highlights des kindlichen Daseins. Wann genau ist uns dieser romantische Zauber verloren gegangen? Mit dem Zeitpunkt, an dem wir uns die Wünsche selbst erfüllen konnten, wie und wann wir wollten? Ist die Zeit wirklich so viel schneller geworden, seit wir erwachsen sind und liegt es am Alter, dass „nichts mehr so ist, wie es mal war“?

© pixabay

Jeden Monat bin ich für ein Wochenendseminar zu Gast in der Hansestadt Rostock. Nach Feierabend drehe ich gern eine kleine Runde in Richtung Stadt: Beine vertreten, kleine Besorgungen und Essen gehen. Schon am Freitagabend hatte ich das Empfinden, dass nach Schnee riecht und mit dem vorherrschenden Nebel, verliert sich auch der letzte Zweifel, dass es Herbst ist und die spätsommerlichen Temperaturen der Vergangenheit angehören. 

Am „Brunnen der Lebensfreude“ angekommen, war es mit letzterer allerdings bei mir schlagartig vorbei: der Weihnachtsmarkt wird aufgebaut! Mir fiel die Kinnlade runter. Gerade habe ich mich noch in dieser Woche gefragt, wieviel Zeit mir bis zum „umdekorieren“ bleibt und schon sehe ich mich prunkvollen Schaufensterauslagen und Geschäften in voller Weihnachtsdekoration gegenüber. Nur zur Sicherheit rechne in Gedanken nochmal nach: vielleicht hat ja jemand an der Uhr gedreht, seit ich von zu Hause weg bin!? 

Natürlich ist es sehr viel motivierender Weihnachtsgeschenke zu kaufen, wenn es auch weihnachtlich aussieht. Das erklärt aber mit Sicherheit nicht, warum man zum Ende der Hochsaison, noch fast im Badeanzug, schon Lebkuchen kaufen soll. Klagen wir einerseits darüber, dass die Zeit so furchtbar schnelllebig ist und ziehen aber auf der Anderen, die Ereignisse schon mal vor, damit… Ja, warum eigentlich?

Die Natur des Herbstes, wenn auch in diesem Jahr sehr mild und sonnig – lädt uns zum Rückzug ein. Das Leben im Außen zieht sich wieder mehr nach Innen zurück: die Tage werden kürzer, wir haben eine Stunde mehr und stimmen uns körperlich wie geistig auf die Wintermonate ein. Der November ist eine Zeit des Übergangs - vom Herbst zum Winter. Ein Zeitraum der uns Raum geben will ‚Danke‘ zu sagen, für die Früchte des Jahres (Erntedank), für das, was wir geschaffen und erreicht haben. Ein Abschnitt im Kalender, der auch denen gewidmet ist, die nicht mehr auf der Erde weilen. Bevor wir uns wieder dem Lichterglanz und Feierlichkeiten hingeben, schließen wir etwas ab - wir danken und gedenken, in Liebe.

Loslassen ist ein Prozess, er bedarf Zeit und Raum.
Geben wir uns doch diesen Raum und auch den bewährten Traditionen und Bräuchen. Und wer weiß, vielleicht profitiert jeder von uns auch ein wenig für sich. Alles hat und braucht seine eigene Zeit.

Ich habe für mich beschlossen, nicht schon nach dem Totensonntag, sondern erst zum 1. Advent weihnachtlich zu schmücken und bis dahin, lasse ich den November einfach nur November sein... Und ganz nebenbei genieße ich den Luxus, Zeit zu haben für die Dinge die gerade getan werden wollen und die Luft, die mir dazwischen bleibt.

Von zu ღ, Constanze

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