Freitag, 31. Juli 2015

"Woll-Lust"



Der Titel des Buches, hört oder liest man ihn zum ersten Mal, verleitet, vielleicht dabei verlegen schmunzelnd, an eine frivole Geschichte zu denken. Und wie so oft im Leben, ertappt man sich beim „Schubladen-Denken“, spätestens, wenn klar wird, dass es wahrhaft nur um die Freude am Stricken geht. Aber schon die Idee und auch der Mut zur Provokation lassen den Humor, die Fähigkeit mit Worte zu spielen und die scharfe Beobachtungsgabe der Autorin erkennen. Blanca Busquets erzählt mit ihrer Protagonistin  Maria Dolors, eine mitreißende, warmherzige und berührende Geschichte, die so ganz aus dem Leben und doch, wie jedes einzelne Leben von uns beweist, einzigartig ist.

Eine alte Dame, die mit nach einem Schlaganfall auf ihr jetziges Leben schaut, auf ihre Familie bei der sie wohnen „darf“ und in der Einsamkeit ihres Seins zurückblickt auf die Jahre davor. Ihr entgeht nichts, nur ihre Familie ist da ganz anderer Meinung.

Die Woll-Lust der Maria Dolors“ ist eine turbulente, komische und geistreiche Geschichte über die Geschicke des Lebens. Sie lädt ein zum Lächeln bis herzhaftem Lachen und rührt auch zu Tränen. Sie spiegelt auf einzigartige Weise unsere selbstgesuchte Freiheit  - die Art & Weise, wie wir leben und erinnert an die Dinge die zählen, die, die das Leben mit all seinen Momenten für jeden von uns, so wichtigmachen.

Meine Empfehlung ist, das Buch zu hören. Katharina Thalbach verleiht der 85-jährigen Dolors eine ausdruckstarke und so glaubhafte Stimme und lässt den Zuhörer ganz vergessen, dass dies (nur) eine Geschichte ist und sie (lediglich) die Vorleserin.

Viel Freude beim Lesen oder Hören,
mit lichtvollen Grüßen von Herz zu Herz,
C

„Flüchtiger Traum ist Menschenleben
und selbst die Träume sind ein Traum.“


Bildquelle: der Hörverlag, Produktion 2010

Dienstag, 28. Juli 2015

Samstag, 25. Juli 2015

Dreiundvierzig



„Gefühle sind wie Regenschauer:
sie haben einen Anfang,
eine Mitte
und ein Ende.“


(Verfasser leider entfallen)


… lautet ein von mir oft verwendetes Zitat im Yogaunterricht, wenn es um unsere Gefühlswelt geht. Yoga lehrt uns, uns nicht mit unseren Emotionen zu identifizieren, sondern sie wahrzunehmen, bewusst zu erleben und sie dann auch wieder ziehen zu lassen. Letztlich ist es mit dem Regenschauer ganz genauso – ihn hautnah zu erleben, zeigt, wie perfekt die gewählte Analogie ist.
Heute Morgen war ich eine halbe Stunde später als üblich dran. Mein Bett und ich sind über Nacht so gute Freunde geworden, dass wir uns einfach nicht trennen mochten. Wenn man schon mal nicht aufstehen muss, tut eine Stunde länger zu ruhen, auch mal richtig gut. Erst recht, wenn sich kein einziger Sonnenstrahl zum Weckdienst verpflichtet hat.

Auf dem Weg zum Strand fing es in den Wolken schon an zu grummeln. Die Luft ist lauschig, für diesen Sommer. Die Temperaturtafel am Strand zeigt 17,7° C für Luft und die üblichen 17° C fürs Wasser an. Die Wolkendecke schiebt sich mehr und mehr zusammen und ich hoffe, dass es wenigsten für ein schnelles Bad reicht. Die Wellen sind wild und dunkel, am Strand stehen unschlüssig einige Surfer. Auch ohne Brett scheint das Meer heute Morgen herausfordernd. Ich habe ordentlich Gegenwind und arbeite mich ein Stück weit in Richtung Zinnowitz vor.
Die ersten Tropfen fallen, Lichtblitze zucken und es besteht kein Zweifel: “kurzer Prozess“- keine Atemübungen, nur schnell ins Wasser. Während der Regen intensiver wird und sich durch den Wind wie heftige Nadelstiche auf der Haut anfühlt, kämpfe ich mich durch die Wellenberge. Das Wasser ist so herrlich, ich möchte gern noch länger bleiben. Zwischen Luft und Wasser gibt es kaum einen nennenswerten Unterschied, gleich warm, von oben und unten. Das Donnern des herannahenden Gewitters wird bedrohlicher und mein Bauchgefühl duldet keinen Widerspruch: ‚Raus! ‘ Es regnet, zuckt und blitzt und mir wird jetzt doch sehr mulmig zumute am menschleeren Strand. 

 
Wie gut, dass ich doch die Regenjacke mitgenommen habe. Dieser Sommer macht echt clever. Noch bevor ich am Fahrrad bin, bin ich schon fast geduscht und ich wäge ab: fahren oder unterstellen. Mittlerweile ist der Himmel geschlossen grau, es gießt in Strömen, donnert und blitzt. Kapuze auf und los, es sieht nicht danach aus, als wäre es nur ein Husch. Zum Glück sind vereinzelt Autos auf der Strandstraße, so bin ich nicht ganz allein. Ich fahre, fast wie um mein Leben. Der Blitzeinschlag vor 14 Tagen, hat in unserem Ort einiges lahmgelegt, technische Geräte in unserem Haus und auch W-Lan (gerade neu installiert) in der Pension. Das Wetter fühlt sich nicht nach einem spaßigen Sommergewitter an und nach der Intensität der Wasserfluten und den Klängen von oben, zu urteilen, hoffe ich nur, dass ich unbeschadet nach Hause komme. Im Carport angekommen, schieben sich die Wassermassen in Wellen auf unser Haus und die Einfahrt zu. Ich stehe da, wie einmal in voller Montur „Kiel geholt“ und so fühle ich mich auch. Während sich ganz allmählich die Spannung in mir löst spüre ich die aufkommenden Emotionen. Ich fühle mich, „als wäre alles noch mal gutgegangen.“ Schon wenig später reißt der Himmel auf und erste Sonnenstrahlen blicken durch. Was mich gerade noch in so intensiv bewegt hat, ist mit einem Mal vor rüber, ganz plötzlich, so, wie es gekommen ist. In diesem Moment, fällt mir mein Spruch ein, und es kommt mir vor, als hätte ich seine eigentliche Bedeutung ganz neu erfahren.

Während ich schreibe, beginnt es immer sonniger zu werden, die Vögel zwitschern und es scheint ein sommerlicher Samstag zu werden. Wer glaubt schon der Wetter App, die das Gewitter für 14.00 Uhr angekündigt hat. Ich werden gleich die nassen Sachen zum Trocknen nach draußen hängen, damit sie für morgen bereit sind. Heute war der 43. Morgen in der Badesaison 2015. Halbzeit? Mal schauen…

Sonnengrüße  mitten aus dem Leben,
von Herz zu Herz,
Namasté,
C